Wasserstoff-Kernnetz

Die Region Aachen steht im Fokus des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes, das von der Bundesnetzagentur (BNetzA) genehmigt wurde und schrittweise umgesetzt wird. Ziel ist es, die Region über die „H2ercules“-Pipeline an das europäische Wasserstoffnetz anzubinden. Diese Pipeline wird die Region Aachen mit der belgischen Infrastruktur und dem Importterminal in Zeebrügge/Antwerpen verbinden.

Geplante Umsetzung und Zeitrahmen

Die Umsetzung der „H2ercules“-Pipeline erfolgt in zwei Abschnitten:

Abschnitt 1

Von der Übergabestation in Eynatten (Belgien) bis Weisweiler. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2028 geplant und wird durch Open Grid Europe (OGE) umgesetzt.

Abschnitt 2

Von Weisweiler in Richtung Niederkassel. Die Fertigstellung ist bis Ende 2031 vorgesehen. Der Vorhabenträger für diesen Abschnitt wird noch von der BNetzA benannt.

OGE strebt eine südliche Trassenvariante an, die Aachen und Stolberg umgeht. Das Planfeststellungsverfahren für diesen Abschnitt soll im ersten Quartal 2026 beginnen. Der Bau hängt jedoch von der Umsetzung der Kraftwerksstrategie des Bundes ab. Erst wenn am Standort Weisweiler ein H2-Ready-Gaskraftwerk realisiert wird, kann der Kernnetzstrang von Eynatten nach Weisweiler gebaut werden.

Bedeutung für die Region

Die Anbindung an das Wasserstoff-Kernnetz bietet der Region Aachen zahlreiche Vorteile:

Internationale Vernetzung

Die Pipeline schafft eine direkte Verbindung zu europäischen Wasserstoff-Importkorridoren.

Dekarbonisierungspotenzial

Unternehmen können Wasserstoff für die Umstellung ihrer Prozesse nutzen.

Flexibilität

Die Infrastruktur wird bedarfsgesteuert ausgebaut, um auf die tatsächlichen Anforderungen der Industrie zu reagieren.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Kommunen

Unternehmen

Es wird empfohlen, frühzeitig Kontakt mit örtlichen Verteilnetzbetreibern aufzunehmen, um Bedarfe anzumelden und mögliche Anschlusspunkte zu sichern. Dezentrale Lösungen wie Elektrolyseurprojekte sollten ebenfalls geprüft werden.

Kommunen

Kommunen sollten die Planung und Genehmigung von Baumaßnahmen koordinieren, insbesondere wenn Leitungen durch ihr Gebiet verlaufen. Eine Abstimmung mit anderen Infrastrukturprojekten wie Glasfaser- oder Fernwärmeausbau ist sinnvoll. Darüber hinaus sollten Kommunen gemeinsam mit den Örtlichen Verteilnetzbetreibern und Unternehmen vor Ort prüfen, ob die Planung eines Anschlusspunktes sinnvoll ist.

Wichtig

Bei Interesse an einem Anschlusspunkt, muss frühzeitig mit dem FNB Kontakt aufgenommen werden. Die Aufnahme in die Planung bedeutet noch keine Abnahmeverpflichtung. Zudem sollte bedacht werden, dass ein nachträglicher Anschluss, wenn die Leitung unter Druck gesetzt ist mehrjährige Verzögerungen und erhebliche Mehrkosten mit sich bringen kann.

Zugang und Kosten

Der Zugang zum Wasserstoff-Kernnetz erfolgt diskriminierungsfrei nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Unternehmen können sich sogenannte „Abgriffstationen“ sichern, die eine Option auf einen Anschluss bieten. Die Kosten für diese Stationen variieren je nach Ausführung und müssen vom Unternehmen getragen werden.

Das Wasserstoff-Kernnetz ist ein entscheidender Schritt für die Energiewende und die Dekarbonisierung der Industrie. Die Region Aachen hat die Chance, eine zentrale Rolle in der europäischen Wasserstoffversorgung einzunehmen. Unternehmen und Kommunen sollten die Möglichkeiten frühzeitig nutzen, um von den Vorteilen des Kernnetzes zu profitieren.